Grundlegende Probleme der Methodik des Höhentrainings in den Ausdauersportarten
Das Höhentraining stellt auch in den 90er Jahren eine Leistungsreserve dar, weil mit ihm Trainingsreize über die normal trainingsmethodisch erschließbaren Möglichkeiten hinaus, also z u s ä t z l i c h, ausgelöst werden können. Diese Anpassungseffekte können im Flachland - eine Steigerung des Niveaus und der Stabilität der Grundlagenausdauer und der Kraftausdauer fördern, - bessere Bedingungen für die Verträglichkeit und Bewältigung wettkampfspezifischer Belastungen schaffen, - einen günstigen Wiederherstellungsverlauf bei großer Wettkampfhäufigkeit schaffen und - damit die wettkampfspezifische Leistungsfähigkeit steigern. Allerdings sollte der Einsatz des Höhentrainings im Sinne einer Leistungsreserve auf den Spitzenbereich sowie trainingsältere Sportler beschränkt sein. Für alle anderen Sportler bieten die trainingsmethodischen Lösungswege ausreichend Raum, um die Trainingswirkung steigern zu können. Bei der Planung des Höhentrainings im Jahresverlauf kann unabhängig von den Trainingsinhalten von folgender Grundstruktur ausgegangen werden: 1. Vorbereitungsphase auf das Höhentraining (Gesundheitsüberprüfung, Prüfung des aeroben Niveaus), 2. Phase der Akklimatisation (3-5 Tage, Haupttrainingsinhalt vorwiegend extensiven Charakters, aerobes Training mit allg., semispez.und spez. Mitteln), 3. Phase der Hauptbelastung unter Höhenbedingungen (Bei einem dreiwöchigen Höhenaufenthalt etwa 16-18 Tage, jeweils zwei Tage aerobes Entlastungstraining nach etwa 10 Tagen und vor der Rückkehr ins Flachland), 4. Phase der Reakklimatisation an Flachlandbedingungen (5-10 Tage, aktuell instabiler psycho-physischer Zustand, aerob-anaerobes Ausdauertraining sowie Schnelligkeits - und SA-Training. 5. Phase der gezielten Ausnutzung des Höheneffektes (Beginn etwa am 10. Tag nach Rückkehr aus der Höhe, Dauer bis zum 30. Tag). Grundbedingung für die Ausschöpfung des Höheneffektes sind Höhen über 2000 m. Als Aufenthaltsdauer haben sich 3 Wochen als günstig erwiesen. Die volle Ausschöpfung des Höheneffekts ist bei Höhenaufenthalten bis zu 6 Wochen erreichbar. Im Jahrestrainingsaufbau sollte das Höhentraining insbesondere zur GA- und KA-Entwicklung sowie in der UWV eingesetzt werden. Der Höhenreiz sollte im mehrjährigen Training regelmäßig gesteigert werden (Häufigkeit, Dauer, Höhe, Trainingsbelastung). Im Höhentraining kommt der täglichen Trainingssteuerung (Hf, Laktat, CK) große Bedeutung zu. Höhentraining kann u. U. auch negativ wirken, z. B: - bei labilem Gesundheitszustand, - bei zu niedrigem aeroben Ausgangsniveau, - bei zu häufigem laktaziden Training, - bei zu geringen Erholungsphasen, - bei nichtadäquater Ernährung, - bei Nichtbeachtung der Akklimatisations- und Reakklimatisationsbedingungen.
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| Subjects: | |
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| Notations: | endurance sports |
| Published in: | Leistungssport |
| Language: | German |
| Published: |
1991
|
| Edition: | 21(1991)6, S. 27-32 |
| Online Access: | https://open-archive.sport-iat.de/ls/1991_6_27-32_Reiss.pdf |
| Volume: | 21 |
| Issue: | 6 |
| Pages: | 27-32 |
| Document types: | article |
| Level: | advanced |