Die Bedeutung des sportlichen Erfolgs für die nachsportliche Karriere bei Leichtathleten und Radsportlern

Hochleistungssportler zu sein, stellt nur eine "Rolle auf Zeit" dar, deshalb kommt der nachsportlichen Karriere eine besondere Bedeutung zu. Diese Lebensphase untersuchten Conzelmann et al. (2001), deren theoretische Überlegungen, Vorgehensweise und Ergebnisse den Ausgangspunkt dieser Replikationsstudie bilden. Sie analysierten in ihrer Studie "Hochleistungssport - persönlicher Gewinn oder Verlust?" die Lebensverläufe von 616 ehemals erfolgreichen Olympiateilnehmern der Spiele von 1960 bis 1992 aus der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Kritisch ist dabei anzumerken, dass die Generalisierung der Ergebnisse auf alle Hochleistungssportler nur eingeschränkt möglich ist. Die vorliegende Untersuchung befasst sich deshalb mit den Lebensverläufen von Spitzensportlern, die es in ihrer sportlichen Karriere nicht bis ganz "oben" geschafft haben. Ziel dieses Beitrags ist es, die möglichen Unterschiede der nachsportlichen Karriereverläufe von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Hochleistungssportlern zu analysieren. Als methodischer Ansatz wurde dafür ein kohortenanalytisches Längsschnittdesign gewählt, in dessen Rahmen ereigniskorrelierte Daten zu den Bereichen sportliche Laufbahn und berufliche Karriere retrospektiv mittels eines Fragebogens erhoben werden. Zusätzlich wurden subjektive Bewertungen zum möglichen Einfluss auf den beruflichen Werdegang und ausgewählte Persönlichkeitsmerkmale erfasst. Das Konstrukt Lebensziele wurde mit dem standardisierten Fragebogen GOALS von Pöhlmann und Brunstein (1997) untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass das sportliche Engagement für beide Stichproben eher einen positiven Einfluss auf den beruflichen Werdegang ausübt als Probleme zu verursachen. Der geringere Bekanntheitsgrad der Nicht-Olympiateilnehmer wirkt sich nicht gravierend auf die Befunde hinsichtlich der Berufskarriere aus. Hinsichtlich des Einflusses des Hochleistungssports auf ausgewählte Persönlichkeitsmerkmale zeigt sich, dass die Mehrheit der Hochleistungssportler aus beiden Stichproben die Auswirkungen des sportlichen Engagements auf körperliche Gesundheit, körperliche Fitness, Lebenszufriedenheit, Selbstwertgefühl und Zielstrebigkeit positiv bewertet. Bei der Erfassung des Konstrukts Lebensziele unterscheiden sich die Olympiateilnehmer signifikant von den Nicht-Olympiateilnehmern durch die höhere Bewertung des Lebensziels Abwechslung.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:endurance sports social sciences
Published in:Leistungssport
Language:German
Published: 2006
Edition:36(2006)1, S. 16-20
Online Access:https://open-archive.sport-iat.de/ls/lsp06_01_16_20.pdf
Volume:36
Issue:1
Pages:16-20
Document types:article
Level:intermediate