2001710

Die Priorität des biologischen Aspekts in der "Theorie des Trainings"

Mittels einer Literaturanalyse vor allem neuerer Werke von Verchosanskij stellt der Autor die Fortentwicklung einer qualitativen Linie der Theorie des Trainings unter biologischem Aspekt dar. Konzeptionelle Ansatzpunkte einer neuen Theorie des Trainings, das traditionelle quantitative Auffassungen überwindet, sind - Die Ganzheitskonzeption aus der Handlungstheorie und - Die Systemkonzeption durch Anwendung der "Theorie des funktionellen Systems". So entstand die Auffassung der sportlichen Bewegung und ihrer Vervollkommnung als "funktionelles Bewegungssystem". Bojko erweiterte diese Theorie, indem er diese Thematik in einem übergreifenden anthropologischen, pädagogischen, trainingstheoretischen Zusammenhang auf eine kybernetische Basis stellt. Dies ist die Grundlage für den biologischen Aspekt der Theorie des Trainings. Der biologische Grundmechanismus des Trainings, die Voraussetzung für die Leistungsentwicklung ist die Adaptation. Schnelligkeit und Technikperfektion werden als Adaptationsziele betrachtet. Auf dieser Grundlage aufbauend stellt der Autor einen prinzipiellen Ansatz für die makrozyklische Jahresstruktur des Trainings dar, der von qualitativen Aspekten dominiert wird: - Gezielte Intensivierung der Arbeitsweise des Bewegungsapparates durch gezielte konditionelle Vorbereitung zu Beginn eines MAZ. - Erst danach Ausführung der Wettkampfübung mit zunehmender bis maximaler Geschwindigkeit. - Die auf dieser spezifischen Basis erfolgende Adaptation geschieht dann in Wettkämpfen, die wiederum zur weiteren Leistungssteigerung durch Schnelligkeitssteigerung beitragen. Berücksichtigt werden müssen dabei insbesondere - Die Steigerung der Intensität des Trainings insgesamt, - Die Berücksichtigung der adaptativen Trägheit der ein- zelnen Systeme des Organismus und - Die Störungsfreiheit für den planmäßigen Verlauf seiner Adaptation andie konkreten Bedingungen der Sportart. Diesen Ausführungen folgt eine Prinzipdarstellung des grundlegenden Modells eines MAZ sowie der Jahresstruktur. Tschiene übernimmt die von Verchosanskij 1991 für die praktische Trainingsarbeit formulierten zwei Grundprinzipien, in denen alle strukturellen Vorstellungen und adaptativen Steuermaßnahmen zum Ausdruck kommen: Das Prinzip der spezifischen Richtung der Trainingsbelastung und das Prinzip der Superposition von Belastungen unterschiedlicher Trainingswirkung. Daß sich die dominierende Bedeutung des biologischen Aspekts in der Theorie des Trainings durchsetzt, zeigt die zunehmende Anzahl von Untersuchungen und Veröffentlichungen zur Adaptation verschiedener Organsysteme von Hochleistungssportlern an die Belastung. Dabei gehen die Fragestellungen heute weit über den stets aktuellen Komplex der Muskelfasertypen hinaus.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft
Veröffentlicht in:Leistungssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 1991
Ausgabe:21(1991)6, S. 5-11
Online-Zugang:https://open-archive.sport-iat.de/ls/1991_6_5-11_Tschiene.pdf
Jahrgang:21
Heft:6
Seiten:5-11
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch