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Wo es kein Ziel gibt, gibt es auch keinen Weg!

Der (Hoch-)Leistungssport hat im letzten Jahrzehnt weltweit einen enormen Leistungssprung gemacht. Neue sportwissenschaftliche Forschungen und Untersuchungen und der Erfindungsgeist der Trainer in etlichen Sportarten haben gezeigt, dass nach wie vor die menschlichen Leistungsgrenzen nicht abzusehen sind. Die Olympischen Spiele 2008 in Peking haben das erneut bestätigt. Sicherlich ist man diesen Grenzen in einigen Sportarten recht nahe gekommen, aber in vielen anderen Sportarten und besonders in den Spielsportarten kann man die zukünftige Leistungsentwicklung nur sehr schwer prognostizieren. Heutzutage kann man viele neue Forschungserkenntnisse von einer Sportart auf eine andere übertragen, muss nicht unbedingt alles in der eigenen Sportart neu erfinden. Besonders die Zeitschrift "Leistungssport" bietet dazu eine ideale Plattform. In allen Sportarten sind den Entwicklungen praktisch keine Grenzen gesetzt. Auch im Tennissport hat dieser Trend tiefe Spuren hinterlassen. Der Spitzentennissport hat in den letzten zehn Jahren einen größeren Fortschritt erzielt als in den dreißig bis vierzig Jahren davor. Die heutigen Leistungen der Weltspitze beiderlei Geschlechts und die Breite der Topspieler sind mit der Vergangenheit kaum zu vergleichen. Was beispielsweise die Spitzenspielerinnen und -spieler bei den US Open 2008 gezeigt haben, war schon bewunderungswert. Mit jedem neuen Jahrgang stoßen neue und bessere Spielerinnen und Spieler in die Weltspitze vor. Es ist immer schwieriger und wird in Zukunft noch schwieriger werden, die Spitzenpositionen zu halten. Weltweite Untersuchungen, Analysen und Forschungen vieler namhafter Experten und die stark verbesserten Leistungen der Spitzenathleten geben uns fortlaufend viel Stoff zum Nachdenken. Wer sich nicht täglich mit dieser Entwicklung beschäftigt, bleibt früher oder später auf der Strecke. Wir können glücklich sein, dass auch die deutschen Sportwissenschaftler einen solch fruchtbaren Einfluss auf die moderne Trainings- und Bewegungslehre, auf die Didaktik und Methodik ausüben. Wir haben damit das neuste Wissen praktisch vor der Haustür. Die Frage ist allerdings, ob man es versteht, im deutschen Sport und damit auch im Tennissport all das Wissen zu nutzen und umzusetzen. An manchen Sportarten - das betrifft u. a. auch den deutschen Tennissport - ist die Entwicklung, um es bildlich zu sagen, mit der Geschwindigkeit von Usain Bolts Laufschritten oder Michael Phelps Schwimmzügen vorbei gerauscht. Um den Anschluss zu halten, braucht man nämlich hoch ausgebildete und fähige und in der täglichen Praxis tätige Trainerkräfte, die Anwendung modernster Trainingsmethoden, eine straffe und exzellente fachspezifische Führung sowie eine perfekte, moderne und auf den heutigen Profisport eingestellte Organisation. Das alles fehlt allerdings dem heutigen deutschen Tennissport. Unser Spitzentennis ist praktisch in allen Kategorien international zweit- bis drittklassig mit Ausnahme der drei letzten über 30- jährigen männlichen Veteranen und der grauhaarigen Senioren. Warum ist dem so?
© Copyright 2009 Leistungssport. Philippka Sportverlag. Veröffentlicht von Philippka Sportverlag. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten
Veröffentlicht in:Leistungssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philippka Sportverlag 2009
Ausgabe:39(2009)3, S. 26-32
Online-Zugang:https://open-archive.sport-iat.de/ls/lsp09_03_26_32.pdf
Jahrgang:39
Heft:3
Seiten:26-32
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch